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12 Ultrachrome K3 Fotodrucke in 13 x 18 cm Messingrahmen, 22 Blueback unterschiedlicher Größe auf Wand, 2017

Ausstellungsansichten:
Warte für Kunst, Kassel 2017

In Zeiten digitaler Bildbearbeitung ist den meisten Menschen klar: Nicht alles, was auf einem Foto zu sehen ist, muss echt sein. Von Abbildungen in Karten und Atlanten hingegen erwartet man, dass sie der Realität entsprechen. Doch auch hier werden wir gelegentlich eines Besseren belehrt, so wie im Fall der Insel Sandy Island.

Auf halber Strecke zwischen Australien und der französischen Inselgruppe Neukaledonien soll die Insel 1774 von James Cook entdeckt worden sein. Seither wurde sie in vielen Karten, Atlanten und auch bei Google Maps eingezeichnet. Als ein Forschungsteam im Jahr 2012 die Gegend untersuchte, fand sie jedoch keine Insel – das Meer war an dieser Stelle rund 1300 Meter tief.

Mit dieser Geschichte hat sich Rudi Weissbeck beschäftigt und präsentiert das Ergenis in der Warte für Kunst. Der Künstler widmet sich verschiedenen Aspekten von Fotografie und hinterfragt das Verständnis von Fotos als Beweis. Für seine aktuelle Ausstellung hat er Kartenmaterial aus verschiedenen Zeiten zusammengetragen.

Die Ausschnitte, die Sandy Island zeigen, präsentiert er zusammen mit eigenen digitalen Malereien, die von offenen Messingrahmen umrandet sind. Entstanden ist eine Collage, die sich durch den gesamten Ausstellungsraum zieht: Fantastische Formen ergänzen Bilder, die vermeintlich wissenschaftliche Realität zeigen – und die sich inzwischen als  unwahr herausgestellt hat. Welche Funktion Bilder in der heutigen Gesellschaft haben und wie vergänglich Wissen und Realität sind, davon erzählt die Arbeit.

· Julia Allnoch

Neues Öl

Das erste, was mir auffiel, war dieser Titel. Es wirkt fast so, als sei jemand auf seiner Tastatur ausgerutscht. Ich bin verwirrt. Es gibt Karten, die immer wieder denselben Teil der Welt zeigen. Um genau zu sein, die Südsee. Um noch genauer zu sein, Neukaledonien. Sie zeigen die erste Insel, die unentdeckt wurde.

Sandy Island fand 1792 den Weg in das heutige Kartenmaterial. Und dort blieb sie bis etwa 2012. Geographen sind sich heute nicht mehr sicher, ob die Insel tatsächlich existierte oder nicht, denn es gibt mehrere Erklärungen für ihre Existenz.

Manche vermuten, dass sie als Papierstraße Anwendung fand. Ein Copyright-Trick, der von Kartenherstellern verwendet wird, um ihre Karten durch Einfügen einer Fälschung völlig zu Originalen zu machen. Hierdurch ist es mit einem Blick möglich, ob jemand ihr Material gestohlen hat.

Sandy Island begleitet eine lebhafte Debatte. Ob es sich nur um eine Sandbank handelte und nur seichtes Gewässer markierte oder ob die globale Erwärmung einen Einfluss auf das Verschwinden der Insel hatte.

Wenn ich durch Rudi Weissbecks Arbeit gehe, entwickelt sie eine erzählerische Qualität. Zu Hause schnappe ich mir meinen eigenen Schulatlas und sehe, dass auch hier Sandy Island vermerkt ist. Und wenn man durch das Rudi Weissbecks Werk geht, sieht man, dass es sehr viele Beweise für die behauptete Existenz dieser Insel gibt.

Es gibt diese Trope bei Erzählungen. Vergessenene Länder. Verlorene Inseln. Ganzheitliche Phantasien und Erzählungen die Teil unserer Alltagsfiktionen sind. Erklärungen, die keine anderen Wahrheiten zulassen. Die Totalität behaupten und implizieren. Als Heranwachsender hinterfragt man nicht seinen Atlas, die Normen, die er produziert oder das Bild, das er im Kopf entstehen lässt.

Rudi Weissbecks Arbeit setzt sich mit der Bedeutung von Bildern und den Werten, die sie hervorbringen, auseinander. Beim Gang vorbei an den sich wiederholenden Beweisen der Existenz der nicht existierenden Insel Sandy beginnt man, andere Teile vor sich zu sehen, die wie ein Uhrwerk zu ineinandergreifen.

Kleine, am Computer erstellte und in Messingrahmen gerahmte Gemälde beginnen mit ihrer leeren Rückseite den Ort, da wo Sandy-Insel war oder ist, zu umrahmen. Im Gespräch erwähnt Rudi, dass er in der Malklasse war und über die Möglichkeiten der Malerei in der heutigen Zeit nachgedacht hat. Die klassische Malerei ist komplett analog. Er hat am Computer gemalt.

Er hat Skizzen erstellt, um diese dann zu malen. Ein Bild nach dem anderen entwickelt, basierend auf einem Ausschnitt des vorherigen Bildes. Die Gemälde bildeten einen Zyklus, in dem sich jedes Bild auf seinen Vorgänger bezieht. Sie haben eine indexikalische Verbindung.

Da es ihm nicht mehr darum ging, diese Skizzen zu malen und er nicht zu seinem eigenen Drucker werden wollte, begann er, die Skizzen als Werke zu verstehen selbst zu verstehen. Die Verwendung von Messing verweist auf dessen Verwendung als altes Navigationsmaterial. Diese Malereien fühlten sich sachlicher und realer an als die Karten, die die Existenz der Nichtexistenz von Sandy Island beweisen. Sie hinterfragen, was das Reale, das Empirische und vor allem was Vertrauen in diese Mittel ausmacht.

Denn man muss Vertrauen in diese Mittel haben. Ansonsten ist man verloren auf See.

· Ignaz Dux

© Rudi Weissbeck – Alle Rechte vorbehalten.